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27. Dezember 2010

Vom Indianerspielen…..anno dazumal

„Indianerspielen“ ist die Phase nach den „Doktorspielen“. Beim Doktorspielen erforscht man im Alter von ungefähr 3 bis 8 Jahren die „nähere Umgebung“, -aber diese „frühpupertäre Phase“ kennt eh´ fast jeder.

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Das „Indianerspielen“ findet, oder besser gesagt,- fand dann so ab einem Alter von 6 bis na ja,- normalerweise 12 Jahre,- bei einigen fast bis zu 25 Jahren statt. Indianerspielen ist ja heutzutage nicht mehr üblich. Dank der üppigen Computertechnik kann man jetzt mit  Kanonen auf Spatzen (oder ausserirdische Monster) schiessen, – zu unserer Zeit war dies umgekehrt,- da schoss man mit Spatzen auf Kanonen.

Ausserdem war damals ja noch das „VorPisaZeitalter“,- das heisst, fast alle konnten lesen.

Und zu meiner Zeit war es auch noch üblich, dass man an Weihnachten Bücher geschenkt bekam.

Und es begab sich, – dass ich alle Jahre wieder an Weihnachten von einer guten Bekannten meiner Mutter drei, -ja, – sage und schreibe 3 (drei) „Karl May Bücher“ auf einmal geschenkt bekam. Es begann mit Winnetou Teil 1 bis 3,-  und da ich des Lesens schon ziemlich mächtig war, verschlang ich diese Bücher in Rekordzeit.

Die wahren Abenteuer sind ja bekanntlich im Kopf, und mein Kopf war diesbezüglich sehr aufnahmebereit. Es dauerte nicht lange,-  da wurde aus dem Maltatal eine unermessliche große und weite Prärie. Ich bastelte den lieben langen Tag lang Tomahawks und Holzmesser und rüstete so meine gesamte Verwandtschaft und Freunde mit diversen Indianerutensilien aus. Als Häuptling hat man halt so seine Verpflichtungen.

Ausser die weiblichen Verwandten,- die bekamen natürlich keine „Waffen“.

Die wurden  dann, – weil sie ja unbedingt mitspielen wollten,- meist an den Marterpfahl gebunden, – und waren dann somit unschädlich gemacht, aber nichtsdestotrotz im großen Indianerspiel mit eingebunden.

Meist wurden sie nach den „Spielen“  von uns Jungs, – noch am Marterpfahl angebunden,-  im „Indianerlager“ vergessen,-  und wurden dann abends in einer groß angelegten Suchaktion unserer Eltern schon leicht deprimiert, aber gut „durch gehängt“ wieder gefunden.

Wenn einmal zum Beispiel unser Lagerfeuer größer als geplant ausfiel, – und dann meist am Samstag mittag um Punkt 12.00 Uhr die Sirenen losgingen, dachten wir, – dies gelte unserem Feuer, – da mussten wir natürlich spontan in die nahegelegenen Wälder fliehen, und da vergisst man dann schon ab und zu auf die weiblichen, gefesselten Mitspielerinnen.

Nachträglich muss ich dazu noch erwähnen, wir waren ja schon die etwas harmlosere Generation von Indianerspielern. Unsere Vorgänger,- mein Cousin,- der Gritzner Hans,- und der Gatternigs Hias, der Gartlers Rudl, die Helga, die Lisl  dahier,- waren noch weit weit wilder als wir. Da floss noch manchmal echtes „Indianerblut“.

Legendär waren auch unsere „Büffeljagden“,- weil man musste sich als Häuptling ja auch um die Vorräte kümmern. Keine Speisekammer oder Räucherkammer unserer hart arbeitenden Eltern waren vor unserem Jagdtrieb sicher. Da schleppten wir dann die mühsam „erlegten“  und erbeuteten Büffelteile zu unseren fern gelegenen Tipis und schmausten dann nach Herzens Lust.

Die Squaws, – also die Indianerfrauen, – die ja unbedingt immer mitspielen wollten, – konnten dann vom Marterpfahl aus zusehen. „Geschlechtertrennung“ war damals keine leere Worthülse,- sie wurde beinhart gelebt.

Die Karl May Bücher, – in denen dann „Old Shatterhand“ zu „Kara Ben Nemsi“ mutierte,- habe ich natürlich auch alle bekommen und verschlungen, aber mangels Wüstengebieten  im Maltatal konnten wir diese Szenen nicht so gut nachspielen.

Aber als dann die 4 Musketiere ins Spiel kamen, – damals schon im Fernseher (schwarz-weiss natürlich) zu sehen,- gab es kein Halten mehr. Da wurde aus dem Indianerhäuptling flugs D´Artangnan. Auch Aramis, Athos und Portos oder  wie die alle hießen, waren schnell aus der näheren Nachbarschaft rekrutiert.

Dann musste ich nur noch, – ich war ja aus meinen „RothautTagen“ vorgebildet,- entsprechendes Waffenmaterial für meine Mitstreiter basteln.

Zu jener Zeit gab es ja noch die berühmte „Lahn“ in Malta, – sinnigerweise nahe am Bach gelegen, – damit damals schon die weggeworfenen, – und nicht immer ganz „umweltfreundlichen“  Gegenstände auch schwimmend entsorgt werden konnten. Hat sich ja diesbezüglich bis heute nicht allzu viel verändert, – zumindest in Italien,- wie man hört….

Und in diesem berühmt berüchtigten „Lahnhaufen“ befanden sich wahre Wunderdinge. Leere Spraydosen für Explosionsexperimente, aber auch alte Gummibälle. Diese Gummibälle wurden von mir gesucht, halbiert, mit einem Loch versehen, durch das Loch wurde ein Haselnuss Stecken gesteckt und fertig waren die Degen für uns 4 bis 10 Musketieren, – je nachdem wie viele Verwandte und Nachbarskinder mitspielen wollten.

Zuerst wollten ja viele, aber da wir mit unseren selbst gebauten Degen nicht gerade zimperlich umgingen,- waren wir bald wieder vier (4).

Ja, – liebe „Pisaschüler“, ihr wisst gar nicht, was Euch Nichtlesern alles entgeht und bereits entgangen ist.

Bis demnächst,- Luk.

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